Der Heidelberger Katechismus

Der zweite Teil

Von des Menschen Erlösung

5. Sonntag

Frage 12
Wenn wir also nach dem gerechten Urteil Gottes schon jetzt und ewig Strafe verdient haben, wie können wir dieser Strafe entgehen und wieder Gottes Gnade erlangen?

Gott will zu seinem Recht kommen,
darum müssen wir für unsere Schuld
entweder selbst [2. Mose 20, 5; 23, 7]
oder durch einen anderen
vollkommen bezahlen. [Röm 8, 3.4]

Frage 13
Können wir aber selbst für unsere Schuld bezahlen?

Nein,
sondern wir machen sogar
die Schuld noch täglich größer. [Hiob 9, 2.3; 15, 15.16, Mt 6,12]

Frage 14
Kann aber irgendein Geschöpf für uns bezahlen?

Nein,
denn erstens will Gott
an keinem anderen Geschöpf strafen,
was der Mensch verschuldet hat. [Hebr 2, 14-18]
Zweitens kann kein Geschöpf
die Last des ewigen Zornes Gottes
gegen die Sünde ertragen
und andere davon erlösen. [ Ps 130, 3]

Frage 15
Was für einen Mittler und Erlöser müssen wir denn suchen?

Einen solchen, [1. Kor 15, 21-22.25-26]
der ein wahrer und gerechter Mensch [Jer 33, 16; Jes 53, 11]
und doch stärker als alle Geschöpfe, [2. Kor 5, 21; Hebr 7,15–17]
also auch wahrer Gott ist. [Jer 23, 6]

6. Sonntag

Frage 16
Warum muß er ein wahrer und gerechter Mensch sein?

Die Sünde wird von den Menschen begangen, [Röm 5, 12.15]
darum verlangt Gottes Gerechtigkeit,
daß ein Mensch für die Sünde bezahlt;
wer aber selbst ein Sünder ist, [1. Petr. 3, 18]
kann nicht für andere bezahlen. [Jes 53, 3-5]

Frage 17
Warum muß er zugleich wahrer Gott sein?
Nur wenn er zugleich wahrer Gott ist, [Jes 53,8]
kann ein Mensch [Apg 2, 24]
die Last des Zornes Gottes ertragen [1. Petr 3, 18]
und uns die Gerechtigkeit und das Leben
erwerben und wiedergeben. [Joh 3, 16; Apg 20, 28, 1. Joh 1, 2]

Frage 18
Wer ist denn dieser Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus,
der uns [Mt 1, 23, Lk 2, 11, 1. Tim 3, 16]
zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit
geschenkt ist. [1. Kor 1, 30]

Frage 19
Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelium.
Gott selbst hat es zuerst im Paradies offenbart,
dann durch die heiligen Erzväter und
Propheten
verkündigen lassen
und durch die Opfer [1. Mose 3, 15, 1. Mose 22,18; 49, 10.11., Röm 1, 2; Hebr 1,1, Apg 3, 22 – 24; 10, 43]
und andere Bräuche des Gesetzes vorgebildet, [Joh 5, 46; Hebr 10, 7]
zuletzt aber durch seinen einzig geliebten Sohn
erfüllt. [Röm 10, 4; Gal 4, 4.5]

7. Sonntag

Frage 20
Werden denn alle Menschen wieder durch Christus gerettet, so wie sie durch Adam verloren gegangen sind?

Nein,
sondern nur diejenigen,
die durch wahren Glauben
seinem Leib als Glieder eingefügt werden
und alle seine Wohltaten annehmen. [Joh 1, 12.13, Jes 53, 11; Ps 2, 12, Röm 11, 20, Hebr 4, 2-3; 10, 39]

Frage 21
Was ist wahrer Glaube?

Wahrer Glaube ist nicht allein
eine zuverlässige Erkenntnis,
durch welche ich alles für wahr halte,
was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat, [Jak 1, 6]
sondern auch ein herzliches Vertrauen, [Röm 4, 16-18; 5, 1, 2. Kor 4, 13; Eph 2, 8, Mt 16, 17; Phil 1, 19-20, Röm 1, 16; 10, 17]
welches der Heilige Geist
durchs Evangelium in mir wirkt,
daß nicht allein anderen,
sondern auch mir
Vergebung der Sünden,
ewige Gerechtigkeit und Seligkeit
von Gott geschenkt ist, [Hebr 11,1-2; Röm 1,17]
aus lauter Gnade, [Eph 2, 7-9]
allein um des Verdienstes Christi willen. [Röm 3,24-25; Gal 2,16]

Frage 22
Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?

Alles, was uns im Evangelium zugesagt wird,
wie es uns unser allgemeines, wahrhaftiges,
christliches Glaubensbekenntnis
zusammengefaßt lehrt. [Joh 20, 31; Mt 28, 20]

Frage 23
Wie lautet dieses Glaubensbekenntnis?

Ökumenische Fassung:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige allgemeine christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Die Erklärungen des Heidelberger Katechismus folgen einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses:

Ich glaube an Gott Vater,
den Allmächtigen,
Schöpfer Himmels und der Erden.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn,
unseren Herrn,
der empfangen ist von dem Heiligen Geist,
geboren aus Maria der Jungfrau,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
abgestiegen zu der Hölle,
am dritten Tage wieder auferstanden
von den Toten,
aufgefahren gen Himmel,
sitzet zu der Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters,
von dannen er kommen wird,
zu richten die Lebendigen und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
eine heilige allgemeine christliche Kirche,
die Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung des Fleisches
und ein ewiges Leben.

8. Sonntag

Frage 24
Wie wird das Glaubensbekenntnis eingeteilt?

In drei Teile:

der erste handelt von Gott dem Vater
und unserer Erschaffung;

der zweite von Gott dem Sohn
und unserer Erlösung;

der dritte von Gott dem Heiligen Geist
und unserer Heiligung.

Frage 25
Warum nennst du denn drei: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wo doch Gott nur einer ist? [5. Mose 6, 4]

Weil Gott sich in seinem Wort so offenbart hat, [Jes 61,1; Ps 110, 1]
daß diese drei Personen unterschieden [Mt 3, 16-17; 28, 19]
und doch der eine, wahre und ewige Gott sind. [1. Joh 5, 7]


Von Gott dem Vater

9. Sonntag

Frage 26
Was glaubst du, wenn du sprichst:
»Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde«?

Ich glaube,
daß der ewige Vater
unsers Herrn Jesus Christus
um seines Sohnes willen [Gal 4, 5-7; Eph 1, 5]
mein Gott und mein Vater ist. [Joh 1, 12; Röm 8, 15]
Er hat Himmel und Erde
mit allem, was darin ist,
aus nichts erschaffen [1. Mose 1; Ps 33, 6]
und erhält und regiert sie noch immer durch seinen ewigen Rat und seine Vorsehung. [Ps 104, 2-5; Mt 10, 29-30, Hebr 1, 3; Ps 115, 3]

Auf ihn vertraue ich und zweifle nicht,
daß er mich mit allem versorgt, [Ps 55, 23; Mt 6, 25-26, Lk 12, 22-24]
was ich für Leib und Seele nötig habe,
und auch alle Lasten,
die er mir in diesem Leben auferlegt,
mir zum Besten wendet. [Röm 8, 28]
Er kann es tun als ein allmächtiger Gott [Röm 10, 12]
und will es auch tun als ein getreuer Vater. [Mt 6, 26; 7, 9-11]

10. Sonntag

Frage 27
Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes? [Apg 17, 25-28]

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes,
durch die er Himmel und Erde
mit allen Geschöpfen [Hebr 1, 2-3]
wie durch seine Hand
noch erhält und so regiert,
daß Laub und Gras,
Regen und Dürre, [Jer 5, 24; Apg 14, 17]
fruchtbare und unfruchtbare Jahre, [Joh 9, 3]
Essen und Trinken, [Spr 22, 2]
Gesundheit und Krankheit,
Reichtum und Armut
und alles andere
uns nicht durch Zufall,
sondern aus seiner väterlichen Hand
zukommt.

Frage 28
Was nützt uns die Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?

Gott will damit,
daß wir in aller Widerwärtigkeit geduldig,
in Glückseligkeit dankbar [Röm 5, 3; Jak 1, 3, Hiob 1, 21; 5. Mose 8, 10, 1. Thess 5, 18]
und auf die Zukunft hin voller Vertrauen
zu unserem treuen Gott und Vater sind,
daß uns nichts
von seiner Liebe scheiden wird, [Röm 8, 38-39]
weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind,
daß sie sich ohne seinen Willen
weder regen noch bewegen können. [Hiob 1, 12, Apg 17, 25-28, Spr 21, 1]

Von Gott dem Sohn

11. Sonntag

Frage 29
Warum wird der Sohn Gottes Jesus, daß heißt »Heiland«, genannt?

Weil er uns heilt von unseren Sünden, [Mt 1, 21; Hebr 7, 25]
und weil bei keinem anderen
ein solches Heil [Apg 4, 12]
zu suchen noch zu finden ist.

Frage 30
Glauben denn auch die an den einzigen Heiland Jesus, die Heil und Seligkeit bei den Heiligen, bei sich selbst oder anderswo suchen?

Nein.
Sie rühmen sich zwar seiner mit Worten, [1. Kor 1, 13.30-31]
verleugnen ihn aber mit der Tat. [Gal 5, 4]
Denn entweder ist Jesus
kein vollkommener Heiland,
oder er ist denen,
die ihn mit wahrem Glauben annehmen,
alles,
was zu ihrer Seligkeit nötig ist. [Jes 9, 5, Kol 1, 19-20; 2, 10. Joh 1, 16]

12. Sonntag

Frage 31
Warum wird er Christus, das heißt »Gesalbter« genannt?

Er ist von Gott dem Vater eingesetzt
und mit dem Heiligen Geist gesalbt [Hebr 1, 9]
zu unserem obersten Propheten und Lehrer, [5. Mose 18, 15; Apg 3, 22]
der uns Gottes verborgenen Rat und Willen
von unserer Erlösung
vollkommen offenbart; [Joh 1, 18; 15, 15]
und zu unserem einzigen Hohenpriester,
der uns mit dem einmaligen Opfer seines Leibes
erlöst hat [Ps 110, 4; Hebr 7, 21]
und uns alle Zeit mit seiner Fürbitte [Röm 8, 34; 5, 9-10]
vor dem Vater vertritt;
und zu unserem ewigen König,
der uns mit seinem Wort und Geist regiert
und bei der erworbenen Erlösung
schützt und erhält. [Ps 2, 6; Lk 1, 33; Mt 28, 18]

Frage 32
Warum wirst aber du ein Christ genannt?

Weil ich durch den Glauben [Apg 2, 17; 11, 26]
ein Glied Christi bin [1. Joh 2, 27]
und dadurch an seiner Salbung Anteil habe, [Joel 3, 1]
damit auch ich seinen Namen bekenne, [Mk 8, 38]
mich ihm [Röm 12, 1; Offb 5, 8.10]
zu einem lebendigen Dankopfer hingebe [1. Petr 2, 9; Offb 1, 6]
und mit freiem Gewissen
in diesem Leben
gegen die Sünde und den Teufel streite [1. Tim 1, 18.19]
und hernach in Ewigkeit
mit ihm über alle Geschöpfe herrsche. [2. Tim 2, 12]

13. Sonntag

Frage 33
Warum heißt Jesus Christus »Gottes eingeborener Sohn«, da doch auch wir Kinder Gottes sind?

Christus allein ist von Ewigkeit her [Joh 1, 14.18; Hebr 1, 2]
seinem Wesen nach der Sohn Gottes.
Wir aber sind um seinetwillen aus Gnade [Röm 8, 15-17]
als Kinder Gottes angenommen. [Eph 1, 5-6]

Frage 34
Warum nennst du ihn »unseren Herrn«?

Er hat uns mit Leib und Seele
von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels
sich zum Eigentum erlöst und erkauft, [1. Petr 1, 18-19; 2, 9, 1. Kor 6, 20; 7, 23]
nicht mit Gold oder Silber,
sondern mit seinem teuren Blut,
indem er sein Leben für uns gab.

14. Sonntag

Frage 35
Was bedeutet: »Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria«?

Der ewige Sohn Gottes,
der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt, [Joh 1,1; Röm 1, 3-4; 9, 5]
hat durch Wirkung des Heiligen Geistes [Mt 1, 18-20; Lk 1, 35]
wahre menschliche Natur
aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria [Gal 4, 4; Joh 1, 14]
angenommen,
so daß er auch
der wahre Nachkomme Davids ist, [Ps 132, 11; Röm 1, 3, Phil 2, 7; Hebr 4, 15]
seinen Schwestern und Brüdern in allem gleich,
doch ohne Sünde.

Frage 36
Was nützt es dir, daß er durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren ist?

Er ist unser Mittler, [Hebr 2, 16-17]
und er bedeckt vor Gottes Angesicht [Ps 32, 1-2; 1. Kor 1, 30]
mit seiner Unschuld
und vollkommenen Heiligkeit
meine Sünde, in der ich immer schon lebe.

15. Sonntag

Frage 37
Was verstehst du unter dem Wort »gelitten«?

Jesus Christus hat an Leib und Seele
die ganze Zeit seines Lebens auf Erden,
besonders aber an dessen Ende,
den Zorn Gottes
über die Sünde des ganzen
Menschengeschlechts getragen. [1. Petr 2, 24]
Mit seinem Leiden [Jes 53, 12, 1. Joh 2, 2; 4, 10, Röm 3, 25-26]
als dem einmaligen Sühnopfer
hat er unseren Leib und unsere Seele
von der ewigen Verdammnis erlöst
und uns Gottes Gnade,
Gerechtigkeit und ewiges Leben
erworben.

Frage 38
Warum hat er unter dem Richter Pontius Pilatus gelitten?

Er wurde unschuldig [Apg 4, 27-28]
vom weltlichen Richter verurteilt [Lk 23, 13-15; Joh 19,4]
und hat uns dadurch
von Gottes strengem Urteil,
das über uns ergehen sollte, [Ps 69, 5; Jes 53, 4-5]
befreit. [2. Kor 5, 1; Gal 3, 13]

Frage 39
Bedeutet sein Tod am Kreuz mehr, als wenn er eines anderen Todes gestorben wäre?

Ja,
denn dadurch bin ich gewiß,
daß er den Fluch, der auf mir lag,
auf sich genommen hat, [Gal 3, 13-14]
weil der Tod am Kreuz von Gott verflucht war. [5. Mose 21, 23]

16. Sonntag

Frage 40
Warum hat Christus den Tod erleiden müssen?

Um der Gerechtigkeit [1. Mose 2, 17]
und Wahrheit Gottes willen
konnte für unsere Sünde
nicht anders bezahlt werden
als durch den Tod des Sohnes Gottes. [Hebr 2, 9.14-15]

Frage 41
Warum ist er begraben worden?
Damit wird bezeugt,
daß er wirklich gestorben ist. [Mt 27, 59-60; Lk 23, 52-53, Joh 19, 38-42, Apg 13, 29]

Frage 42

Warum müssen wir noch sterben, obwohl Christus für uns gestorben ist?
Unser Tod
ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde,
sondern nur ein Absterben der Sünden
und Eingang zum ewigen Leben. [Joh 5, 24; Phil 1, 23, Röm 7, 24-25]

Frage 43
Welchen weiteren Nutzen haben wir aus Opfer und Tod Christi am Kreuz?

Durch die Kraft Christi wird unser alter Mensch
mit ihm gekreuzigt, getötet und begraben,
damit die Sünde uns nicht mehr beherrscht, [Kol 2, 12, Röm 6, 6-8.11.12, Röm 6, 12]
sondern wir uns ihm
zu einem lebendigen Dankopfer hingeben. [Röm 12, 1]

Frage 44
Warum folgt »abgestiegen zu der Hölle«?

Damit wird mir zugesagt,
daß ich selbst
in meinen schwersten Anfechtungen
gewiß sein darf, 
daß mein Herr Christus
mich von der höllischen Angst und Pein
erlöst hat, [Jes 53, 10; Mt 27, 46]
weil er auch an seiner Seele
unaussprechliche Angst,
Schmerzen und Schrecken
am Kreuz und schon zuvor erlitten hat.

17. Sonntag

Frage 45
Was nützt uns die Auferstehung Christi?

Erstens:
Christus hat durch seine Auferstehung
den Tod überwunden,
um uns an der Gerechtigkeit Anteil zu geben,
die er uns durch seinen Tod erworben hat. [1. Petr 1, 3-5.21, 1. Kor 15, 17. 54-55, Röm 4, 25]

Zweitens:
Durch seine Kraft werden auch wir
schon jetzt erweckt zu einem neuen Leben. [Röm 6, 4; Kol 3, 1-4,  Eph 2, 5]

Drittens:
Die Auferstehung Christi
ist uns ein verläßliches Pfand
unserer seligen Auferstehung. [1. Kor 15, 12, Röm 8, 11]

Frage 46
Wie verstehst du, daß es heißt »aufgefahren in den Himmel«?

Jesus Christus wurde
vor den Augen seiner Jünger
von der Erde zum Vater in den Himmel
erhöht [ Mk 16, 19; Lk 24, 51, Hebr 4, 14; 7, 24-25, Röm 8, 34, Eph 4, 10; Kol 3, 1]
und ist dort uns zugut,
bis er kommen wird, [Apg 1, 11]
zu richten die Lebenden und die Toten. [Mt 24, 30]

Frage 47
Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat? [Mt 28, 20]

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott.
Nach seiner menschlichen Natur
ist er jetzt nicht mehr auf der Erde, [Joh 16, 28; 17, 11, Mt 26, 11; Apg 3, 21]
aber nach seiner Gottheit, Majestät,
Gnade und Geist [Joh 14, 17-20; 16, 13, Mt 28, 20; Eph 4, 8]
weicht er niemals von uns.

Frage 48
Werden aber auf diese Weise nicht Gottheit und Menschheit in Christus voneinander getrennt, wenn er nach seiner menschlichen Natur nicht überall ist, wo er nach seiner Gottheit ist?

Nein,
weil die Gottheit unbegreiflich
und überall gegenwärtig ist, [Apg 7, 49; Jer 23, 24]
folgt daraus,
daß sie wohl außerhalb
ihrer angenommenen menschlichen Natur
und dennoch auch in derselben ist [ Kol 2, 9; Mt 28, 6]
und in einer Person [Joh 3, 13; 11, 15]
mit ihr vereinigt bleibt.*

* Mit dem Wort »unbegreiflich« will der Katechismus nicht sagen, daß man Gott nicht verstehen könne, sondern daß er von keinem Raum umschlossen werden kann. Die Aussage des Katechismus kann auch so formuliert werden:
Weil Gott nach seinem Wesen von keinem Raum oder Körper umgrenzt wird, sondern überall gegenwärtig ist, so ergibt sich, daß auch Christus nach seiner Gottheit zugleich in seiner menschlichen Natur und dennoch auch außerhalb ihrer ist und deshalb in seiner Person zugleich ein wahrer und gerechter Mensch und wahrer Gott ist.

18. Sonntag

Frage 49

Was nützt uns die Himmelfahrt Christi?
Erstens:
Er ist im Himmel
vor dem Angesicht seines Vaters
unser Fürsprecher. [1. Joh 2, 1; Röm 8, 34]

Zweitens:
Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus
im Himmel die Gewißheit,
daß er als das Haupt uns, seine Glieder,
auch zu sich nehmen wird. [Joh 14, 2; 20, 17, Eph 2, 6]

Drittens:
Er, sitzend zur Rechten Gottes,
sendet seinen Geist zu uns,
der uns die Kraft gibt, [Joh 14, 16; Apg 2, 33, 2. Kor 1, 21-22; 5,5]
zu suchen, was droben ist,
und nicht das, was auf Erden gilt. [Kol 3, 1; Phil 3, 14]

Frage 50
Warum wird hinzugefügt »er sitzt zur Rechten Gottes«?

Christus ist dazu in den Himmel erhöht worden,
daß er sich dort erweise
als das Haupt seiner Kirche, [Eph 1, 20-23; Kol 1, 18]
durch das der Vater alles regiert. [Mt 28, 18; Joh 5, 22]

19. Sonntag

Frage 51
Was nützt uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christus?

Christus teilt uns, seinen Gliedern,
durch seinen Heiligen Geist
die himmlischen Gaben aus. [Eph 4, 10-12]

Er schützt und erhält uns mit seiner Macht
gegen alle Feinde. [Joh 10, 28-30, Ps 2, 9; Eph 4, 8]

Frage 52
Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, »zu richten die Lebenden und die Toten«?

In aller Trübsal und Verfolgung
darf ich mit erhobenem Haupt
aus dem Himmel eben den Richter erwarten, [Lk 21, 28; Röm 8, 23-24, Phil 3, 20-21; Tit 2, 13]
der sich zuvor für mich
dem Gericht Gottes gestellt
und alle Verurteilung von mir
genommen hat.
Er wird alle seine Feinde,
die darum auch meine Feinde sind, [1. Thess 4, 16-17, 2. Thess 1,6-10; Mt 25,41]
in die ewige Verdammnis werfen,
mich aber mit allen Auserwählten
zu sich in die himmlische Freude
und Herrlichkeit nehmen. [Mt 25, 34]

Von Gott dem Heiligen Geist

20. Sonntag
Frage 53
Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstens:
Der Heilige Geist ist gleich ewiger Gott
mit dem Vater und dem Sohn. [1. Mose 1,2; Jes 48, 16, 1. Kor 3, 16; 6, 19, Apg 5, 3-4]

Zweitens:
Er ist auch mir gegeben [ Mt 28, 19-20, 2. Kor 1, 21-22]

und gibt mir durch wahren Glauben
Anteil an Christus [1. Kor 6, 17]
und allen seinenWohltaten. [Gal 3, 14; 1. Petr.1, 2]
Er tröstet mich
und wird bei mir bleiben in Ewigkeit. [Apg 9, 31; Joh 14, 16, 1. Petr 4, 14]

21. Sonntag

Frage 54
Was glaubst du von der »heiligen allgemeinen christlichen Kirche«?

Ich glaube,
daß der Sohn Gottes [Joh 10, 11]
aus dem ganzen Menschengeschlecht [1. Mose 26, 4]
sich eine auserwählte Gemeinde [Röm 8, 29-30, Eph 1, 10-13]
zum ewigen Leben
durch seinen Geist und Wort [Jes 59, 21; Röm 1, 16, Röm 10, 14-17; Eph 5, 26]
in Einigkeit des wahren Glaubens [Apg 2, 46; Eph 4, 3-6]
von Anbeginn der Welt bis ans Ende [Ps 71, 18; 1. Kor 11, 26]
versammelt, schützt und erhält [Mt 16, 18; Joh 10, 28-30, 1. Kor 1, 8-9]
und daß auch ich
ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin [1. Joh 3, 31]
und ewig bleiben werde. [1. Joh 2, 19]

Frage 55
Was verstehst du unter der »Gemeinschaft der Heiligen«?

Erstens:
Alle Glaubenden haben als Glieder
Gemeinschaft an dem Herrn Christus [1. Joh 1, 3; 1. Kor 1, 9]
und an allen seinen Schätzen und Gaben. [Röm 8, 32]

Zweitens:
Darum soll auch jeder seine Gaben
willig und mit Freuden
zum Wohl und Heil der anderen
gebrauchen. [1. Kor 12, 12-13. 21; 13, 5-6; Phil 2, 4-6]

Frage 56
Was glaubst du von der »Vergebung der Sünden«?

Gott will um Christi willen
aller meiner Sünden, auch der sündigen Art, [1. Joh 2, 2, 2. Kor 5, 19.21]
mit der ich mein Leben lang zu kämpfen habe,
nicht mehr gedenken. [Ps 103, 3.10.12; Jer 31, 34, Röm 7, 24-25; 8, 1-4]
Aus Gnade schenkt er mir die
Gerechtigkeit Christi,
so daß ich nicht mehr ins Gericht kommen werde. [Joh 3, 18]

22. Sonntag

Frage 57
Was tröstet dich die »Auferstehung der Toten«?

Nach diesem Leben
werde ich durch die Kraft Christi
auferweckt werden
und zu Christus, meinem Herrn, kommen.
Er wird mir Anteil geben
an seiner Herrlichkeit.

Ältere Fassung:
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Daß nicht allein meine Seele
nach diesem Leben
alsbald zu Christus, ihrem Haupt, [Lk 23, 43; Phil 1, 21-23]
genommen wird,
sondern auch,
daß dies mein Fleisch,
durch die Kraft Christi auferweckt,
wieder mit meiner Seele vereinigt
und dem herrlichen Leibe Christi
gleichförmig werden soll. [1. Kor 15, 53-54, Hiob 19, 23-27, 1. Joh 3, 2; Phil 3, 21]

Frage 58
Was tröstet dich die Verheißung des ewigen Lebens?

Schon jetzt empfinde ich
den Anfang der ewigen Freude
in meinem Herzen. [2. Kor 5, 2-3]
Nach diesem Leben aber werde ich
vollkommene Seligkeit besitzen,
die kein Auge gesehen
und kein Ohr gehört hat
und in keines Menschen Herz
je gekommen ist, [Joh 17, 3]
Gott ewiglich darin zu preisen. [Joh 17, 3]

23. Sonntag

Frage 59
Was hilft es dir aber nun, wenn du das alles glaubst?

Ich bin dadurch
in Christus vor Gott gerecht [Hab 2, 4]
und ein Erbe des ewigen Lebens. [Röm 1, 17; Joh 3, 36]

Frage 60
Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben
an Jesus Christus. [Röm 3,21-25.28; Gal 2, 16; Eph 2, 8-9; Phil 3, 9]
Zwar klagt mich mein Gewissen an,
daß ich gegen alle Gebote Gottes
schwer gesündigt
und keines je gehalten habe [Röm 3, 9-20]
und noch immer zu allem Bösen geneigt bin. [Röm 7, 23]
Gott aber schenkt mir
ganz ohne mein Verdienst [Tit 3, 5]
aus lauter Gnade [Röm 3, 24; Eph 2, 8]
die vollkommene Genugtuung, [1. Joh 2, 2]
Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi. [1. Joh 2, 1]
Er rechnet sie mir an, [Röm 4, 4-5; 2. Kor 5, 19]
als hätte ich nie eine Sünde
begangen noch gehabt
und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht,
den Christus für mich geleistet hat, [2. Kor 5, 21]
wenn ich allein diese Wohltat
mit gläubigem Herzen annehme. [Röm 3, 22; Joh 3, 18]

Frage 61
Warum sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht bist?

Ich gefalle Gott nicht deswegen,
weil mein Glaube
ein verdienstvolles Werk wäre.
Allein die Genugtuung,
Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi
ist meine Gerechtigkeit vor Gott. [1. Kor 1, 30; 2, 2]
Ich kann sie nicht anders
als durch den Glauben
annehmen und mir zueignen. [1. Joh 5, 10]

Frage 62
Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?

Die Gerechtigkeit,
die vor Gottes Gericht bestehen soll,
muß vollkommen sein
und dem göttlichen Gesetz
ganz und gar entsprechen. [Gal 3, 10; 5. Mose 27, 26]
Aber auch unsere besten Werke
sind in diesem Leben
alle unvollkommen und mit Sünde befleckt. [Jes 64, 5]

Frage 63
Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst,
sondern aus Gnade. [Lk 17, 10]

Frage 64
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?

Nein;
denn es ist unmöglich, daß Menschen,
die Christus
durch wahren Glauben eingepflanzt sind,
nicht Frucht der Dankbarkeit bringen. [Mt 7, 18]


Von den heiligen Sakramenten

25. Sonntag

Frage 65
Wenn nun allein der Glaube uns Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten gibt, woher kommt solcher Glaube?

Der Heilige Geist wirkt den Glauben
in unseren Herzen [Eph 2, 8-9; Joh 3, 5]
durch die Predigt des heiligen Evangeliums
und bestätigt ihn
durch den Gebrauch der heiligen Sakramente. [Mt 28, 19-20, 1. Petr 1, 22-23]

Frage 66
Was sind Sakramente?

Es sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel.
Gott hat sie eingesetzt,
um uns durch ihren Gebrauch
den Zuspruch des Evangeliums
besser verständlich zu machen
und zu versiegeln:
daß er uns auf Grund
des einmaligen Opfers Christi,
am Kreuz vollbracht,
Vergebung der Sünden und ewiges Leben
aus Gnade schenkt. [5. Mose 30, 6; 3. Mose 6, 18, 1. Mose 17, 11; Röm 4, 11, Hebr 9, 8-9.24; Hes 20,12]

Frage 67
Sollen denn beide, Wort und Sakrament, unseren Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz als den einzigen Grund unserer Seligkeit hinweisen?

Ja;
denn der Heilige Geist lehrt im Evangelium
und bestätigt durch die heiligen Sakramente,
daß unsere ganze Seligkeit
gegründet ist auf das einmalige Opfer Christi,
das für uns am Kreuz geschah. [Röm 6, 3; Gal 3, 27]

Frage 68
Wieviel Sakramente hat Christus im Neuen Testament eingesetzt?

Zwei,
die heilige Taufe
und das heilige Abendmahl.


Von der heiligen Taufe

26. Sonntag

Frage 69
Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und gewiß gemacht, daß das einmalige Opfer Christi am Kreuz dir zugut kommt?

Christus hat dies äußerliche Wasserbad eingesetzt
und dabei verheißen,
daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist
von der Unreinigkeit meiner Seele, [Mt 28, 19-20, Apg 2, 38, Mt 3, 11; Mk 16, 16, Röm 6, 3-4]
das ist, von allen meinen Sünden,
reingewaschen bin,
wie ich äußerlich durch das Wasser
gereinigt werde,
das die Unsauberkeit des Leibes hinwegnimmt. [Mk 1, 4; Lk 3, 3]

Frage 70
Was heißt, mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heißt,
Vergebung der Sünde
von Gott aus Gnade haben
um des Blutes Christi willen,
das er in seinem Opfer am Kreuz
für uns vergossen hat. [Hebr 12, 24, 1. Petr 1, 2; Offb 1, 5, Sach 13, 1, Hes 36, 25-27]

Es heißt ferner,
durch den Heiligen Geist erneuert
und zu einem Glied Christi geheiligt sein,
so daß wir je länger je mehr
der Sünde absterben
und ein Leben führen,
das Gott gefällt. [Joh 1, 33; 3, 5, 1. Kor 6, 11; 12, 13, Röm 6, 4; Kol 2, 11-12]

Frage 71
Wo hat Christus verheißen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist wie mit dem Taufwasser gewaschen sind?

Bei der Einsetzung der Taufe sagt er:

»Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker:
Taufet sie auf den Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.« [Mt 28, 19]
»Wer da glaubt und getauft wird,
der wird selig werden;
wer aber nicht glaubt,
der wird verdammt werden.« [Mk 16, 16]

Diese Verheißung wird dort wiederholt,
wo die Heilige Schrift die Taufe
das »Bad der Wiedergeburt« und
die »Abwaschung der Sünden« nennt. [Tit 3,5, Apg 22, 16]

27. Sonntag

Frage 72
Ist denn das äußerliche Wasserbad selbst die Abwaschung der Sünden?

Nein;
denn allein das Blut Jesu Christi [Eph 5, 26, Mt 3, 11; 1. Petr 3, 21]
und der Heilige Geist
reinigt uns von allen Sünden. [1. Joh 1, 7; 1. Kor 6, 11]

Frage 73
Warum nennt denn der Heilige Geist die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und die »Abwaschung der Sünden«?

Gott redet so nicht ohne große Ursache.
Er will uns damit lehren:
Wie die Unsauberkeit des Leibes durch Wasser,
so werden unsere Sünden
durch Blut und Geist Christi hinweggenommen. [Offb 1, 5; 7, 14, 1. Kor 6, 11]
Ja vielmehr:

Er will uns durch dies göttliche Pfand
und Wahrzeichen
gewißmachen,
daß wir so wahrhaftig
von unseren Sünden
geistlich gewaschen sind,
wie wir mit dem leiblichen Wasser [Mk 16, 16; Gal 3, 17]
gewaschen werden.

Frage 74
Soll man auch die kleinen Kinder taufen?

Ja;
denn sie gehören ebenso wie die Erwachsenen
in den Bund Gottes und seine Gemeinde. [1. Mose 17, 7]

Auch ihnen wird,
nicht weniger als den Erwachsenen,
in dem Blut Christi
die Erlösung von den Sünden [Mt 19, 14]
und der Heilige Geist,
der den Glauben wirkt,
zugesagt. [Lk 1, 14-15; Ps 22, 11, Jes 44, 1-3; Apg 2, 39]

Darum sollen auch die Kinder
durch die Taufe, das Zeichen des Bundes,
in die christliche Kirche
als Glieder eingefügt
und von den Kindern der Ungläubigen
unterschieden werden, [Apg 10, 47]
wie es im Alten Testament
durch die Beschneidung geschehen ist, [1. Mose 17, 14]
an deren Stelle im Neuen Testament
die Taufe eingesetzt wurde. [Kol 2, 11-13]

Vom heiligen Abendmahl Jesus Christi

28. Sonntag

Frage 75
Wie wirst du im Heiligen Abendmahl erinnert und gewiß gemacht, daß du an dem einzigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gaben Anteil hast?

Christus hat mir und allen Gläubigen befohlen,
zu seinem Gedächtnis
von dem gebrochenen Brot zu essen
und von dem Kelch zu trinken. [Mt 26, 26-28, Mk 14, 22-24; Lk 22, 19-20, 1. Kor 10, 16-17; 11, 23-25; 12, 13]

Dabei hat er verheißen:
Erstens,
daß sein Leib so gewiß
für mich am Kreuz geopfert und gebrochen
und sein Blut für mich vergossen ist,
wie ich mit Augen sehe,
daß das Brot des Herrn mir gebrochen
und der Kelch mir gegeben wird.
Zweitens,
daß er selbst meine Seele
mit seinem gekreuzigten Leib
und vergossenen Blut
so gewiß zum ewigen Leben
speist und tränkt,
wie ich aus der Hand des Dieners empfange
und leiblich genieße
das Brot und den Kelch des Herrn,
welche mir als gewisse Wahrzeichen
des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.

Frage 76
Was heißt, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?

Es heißt nicht allein,
mit gläubigem Herzen
das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen
und dadurch Vergebung der Sünde
und ewiges Leben empfangen, [Joh 6, 35.40.47-48.50-54]
sondern auch,
durch den Heiligen Geist,
der zugleich in Christus und in uns wohnt,
mit seinem verherrlichten Leib [Joh 6, 55-56]
mehr und mehr vereinigt werden,
so daß,
obgleich er im Himmel ist [Apg 3, 21; 1. Kor 11, 26]
und wir auf Erden sind,
wir doch ein Leib mit ihm sind
und von einem Geist [Eph 3, 16-17; 5, 29-32, 1. Kor 6, 15-19, 1. Joh 3, 24; 4, 13]
ewig leben und regiert werden. [Joh 6, 56-58; 14, 23; 15, 1-6; Eph 4, 15-16]

Frage 77
Wo hat Christus verheißen, daß er die Gläubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speist und tränkt, wie sie von diesem gebrochenen Brot essen und von diesem Kelch trinken?

In der Einsetzung des Abendmahls: [Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24, Lk 22, 19-20, 1. Kor 11, 23-25]
»Der Herr Jesus,
in der Nacht, da er verraten ward,
nahm er das Brot,
dankte und brach’s und sprach:
(Nehmet, esset,) das ist mein Leib,
der für euch gegeben wird;
das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch
nach dem Mahl und sprach:
Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut;
das tut, sooft ihr daraus trinket,
zu meinem Gedächtnis.
Denn sooft ihr von diesem Brot eßt
und aus dem Kelch trinkt,
verkündigt ihr den Tod des Herrn,
bis er kommt.«
Diese Verheißung wiederholt der Apostel Paulus, [1. Kor 10, 16,17]
wenn er sagt:
»Der gesegnete Kelch, den wir segnen,
ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?
Das Brot, das wir brechen,
ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
Denn e i n Brot ist’s: so sind wir viele e i n Leib,
weil wir alle an e i n e m Brot teilhaben.«

29. Sonntag

Frage 78
Werden denn Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt?

Nein.
Wie das Wasser bei der Taufe
nicht in das Blut Christi verwandelt wird
oder selbst die Sünden abwäscht,
sondern Gottes Wahrzeichen [Mt 26, 29; Mk 14, 24]
und Pfand dafür ist,
so wird auch das Brot im Abendmahl
nicht der Leib Christi, [1. Kor 10, 16-17; 11, 26-28]
auch wenn es in den Worten,
die beim Abendmahl gebraucht werden,
als der Leib Christi bezeichnet wird. [1. Mose 17, 10-19, 2. Mose 12, 26-27.43.48, 1. Petr 3, 21, 1. Kor 10, 1- 4; Tit 3, 5]

Frage 79
Warum nennt denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut oder nennt den Kelch den neuen Bund in seinem Blut, und warum spricht Paulus von der  Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?

Christus redet so nicht ohne große Ursache.
Er will uns damit lehren:
Wie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten,
so sind sein gekreuzigter Leib
und sein vergossenes Blut
die wahre Speise und der wahre Trank
unserer Seele zum ewigen Leben. [Joh 6, 51.55]

Darüberhinaus will er uns
durch dieses sichtbare Zeichen und Pfand
gewiß machen,
daß wir so wahrhaftig durch seinen Heiligen Geist
an seinem Leib und Blut Anteil bekommen
wie wir diese heiligen Wahrzeichen
mit unserem Mund zu seinem Gedächtnis
empfangen. [1. Kor 10, 16-17]

All sein Leiden und sein Gehorsam
sind uns so gewiß zugeeignet,
als hätten wir selbst
das alles gelitten und vollbracht.

30. Sonntag

Frage 80
Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?

Das Abendmahl bezeugt uns,
daß wir vollkommene Vergebung
aller unserer Sünden haben
durch das einmalige Opfer Jesu Christi,
das er selbst einmal am Kreuz
vollbracht hat, [Hebr 7, 27; 9, 12.25-28; 10, 10-14; Joh 19, 30; Mt 26, 28; Lk 22, 19-20]
und daß wir durch den Heiligen Geist
Christus werden eingeleibt, [1. Kor 6, 17; 10, 16-17]
der jetzt mit seinem wahren Leib
im Himmel zur Rechten des Vaters ist
und daselbst will angebetet werden. [Hebr 1, 3; 8, 1; Joh 4, 21-24; 20, 17; Lk 24, 52; Apg 7, 55]

Die Messe aber lehrt,
daß die Lebendigen und die Toten [Kol 3, 1; Phil 3, 20-21; 1. Thess 1, 9-10]
nicht durch das Leiden Christi
Vergebung der Sünden haben,
es sei denn,
daß Christus noch täglich
für sie von den Meßpriestern geopfert werde,
und daß Christus leiblich
unter der Gestalt des Brotes und Weines sei
und deshalb darin soll angebetet werden.
Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes
als eine Verleugnung des einzigen Opfers
und Leidens Jesu Christi
und eine vermaledeite Abgötterei.* [Hebr 9, 10]

*Das Moderamen des Reformierten Bundes hat hierzu
erklärt:
Diese Verwerfung wurde vor 400 Jahren formuliert; sie
läßt sich nach Inhalt und Sprache in dieser Form nicht
aufrechterhalten: Die Polemik gegen die Wiederholung des
einmaligen Opfers Christi am Kreuz und die Anbetung der
Elemente (Brot und Wein) wird dem nicht gerecht, was im
ökumenischen Gespräch inzwischen an Verständigung
erreicht werden konnte.
Der bleibende Lehrunterschied besteht darin, daß die
Eucharistie in der römisch- katholischen Kirche als
»Opfer«, das Abendmahl im evangelischen Gottesdienst als
»Mahlfeier« begriffen wird; doch sollte sich dieser Unterschied
nicht kirchentrennend auswirken.

Frage 81
Welche Menschen sollen zum Tisch des Herrn kommen?

Alle, die sich selbst
um ihrer Sünde willen mißfallen
und doch vertrauen,
daß Gott sie ihnen vergeben hat
und daß auch die bleibende Schwachheit
mit dem Leiden und Sterben Christi zugedeckt ist,
die aber auch begehren,
mehr und mehr ihren Glauben zu stärken
und ihr Leben zu bessern.
Wer aber unbußfertig und heuchlerisch
zum Abendmahl kommt,
ißt und trinkt sich selbst zum Gericht. [1. Kor 10, 19-22; 11, 28-29]

Frage 82
Dürfen aber zum heiligen Abendmahl auch solche zugelassen werden, die sich in ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erweisen?

Nein;
denn sonst wird der Bund Gottes geschmäht
und sein Zorn über die ganze Gemeinde erregt. [1. Kor 11, 20.34; Jes 1, 11-15; 66, 3; Jer 7, 21-23; Ps 50, 16-17]
Darum muß die christliche Kirche
nach der Ordnung Christi und seiner Apostel
solche durch das Amt der Schlüssel ausschließen,
bis sie ihr Leben bessern.

31. Sonntag

Frage 83
Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangeliums
und die christliche Bußzucht.
Durch diese beiden wird das Himmelreich
den Gläubigen aufgeschlossen,
den Ungläubigen aber zugeschlossen. [Mt 16, 18-19; 18, 18]

Frage 84
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?

Nach dem Befehl Christi wird
allen Gläubigen verkündigt
und öffentlich bezeugt,
daß ihnen alle ihre Sünden von Gott
um des Verdienstes Christi willen
wahrhaftig vergeben sind,
sooft sie den Zuspruch des Evangeliums
mit wahrem Glauben annehmen.
Dagegen wird allen,
die den Glauben verwerfen
oder heucheln,
öffentlich bezeugt,
daß der Zorn Gottes
und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, [Joh 20, 21-23; Mt 16, 19]
solange sie sich nicht bekehren.
Nach diesem Zeugnis des Evangeliums
will Gott in diesem und im zukünftigen Leben
urteilen.

Frage 85
Wie wird das Himmelreich durch die christliche Bußzucht zu- und aufgeschlossen?
Nach dem Befehl Christi werden alle,
die sich Christen nennen,
aber unchristlich lehren oder leben,
mehrmals seelsorgerlich vermahnt.

Wenn sie von ihren Irrtümern und Lastern
nicht ablassen,
werden sie der Gemeinde
oder den von ihr Beauftragten
namhaft gemacht.

Wenn sie auch deren Vermahnung
nicht folgen,
werden sie von diesen
durch Versagung der heiligen Sakramente
aus der christlichen Gemeinde
und von Gott selber aus dem Reich Christi
ausgeschlossen.

Jedoch werden sie
als Glieder Christi undder Kirche
wieder angenommen,
wenn sie wahre Besserung versprechen und
zeigen. [Mt 18, 15-18; 1. Kor 5, 3-5.11; 2. Thess 3, 14-15; 2. Joh 10, 11]