Der Große Katechismus Martin Luthers

Nach der Fassung des deutschen Konkordienbuches (Dresden 1580)

Das neunte und zehnte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus / Du sollst nicht begehren seines Weibes, Knecht, Magd, Vieh oder was sein ist

Diese zwei Gebote sind fast den Juden sonderlich gegeben, wiewohl sie uns dennoch auch zum Teil betreffen. Denn sie legen sie nicht aus von Unkeuschheit noch Diebstahl, weil davon droben genug verboten ist; hieltens auch dafür, sie hätten jene alle gehalten, wenn sie äußerlich die Werke getan oder nicht getan hätten. Darum hat Gott diese zwei hinzugesetzt, dass mans auch halte für Sünde und verboten, des Nächsten Weib oder Gut begehren und irgendwie darnach zu stehen; und sonderlich darum, weil in dem jüdischen Regiment Knechte und Mägde nicht, wie jetzt, frei waren, ums Lohn zu dienen, wie lange sie wollten, sondern des Herrn eigen mit Leib und was sie hatten, wie das Vieh und andere Gut; dazu auch ein jeglicher über sein Weib die Macht hatte, durch einen Scheidebrief öffentlich von sich zu lassen und eine andere zu nehmen. Da mussten sie nun untereinander in Gefahr stehen, wenn jemand eines andern Weib gern gehabt hätte, dass er irgendeine Ursache nähme, beide, sein Weib von sich zu tun und dem andern seines auch zu entfremden, dass ers mit gutem Fug zu sich brächte. Das war nun bei ihnen keine Sünde und Schande, sowenig als jetzt mit dem Gesinde, wenn ein Hausherr seinem Knecht oder Magd Urlaub gibt oder einer dem anderen sonst abdringt.

Darum haben sie nun (sage ich) diese Gebote also gedeutet, wie es auch recht ist (wiewohl es auch etwas weiter und höher geht), dass niemand dem andern das Seine, als Weib, Gesinde, Haus und Hof, Acker, Wiesen, Vieh denke und vornehme an sich zu bringen, auch mit gutem Schein und Behelf, doch mit des Nächsten Schaden. Denn droben, im siebenten Gebot, ist die Untugend verboten, da man fremdes Gut zu sich reißt oder dem Nächsten vorhält, dazu man kein Recht haben kann, hier aber ist auch gewehrt, dem Nächsten nichts abzuspannen, ob man gleich mit Ehren vor der Welt dazu kommen kann, dass dich niemand zeihen noch tadeln darf, als habest dus mit Unrecht erobert.

Denn die Natur so geschickt ist, dass niemand dem andern soviel als sich selbst gönnt und ein jeglicher, soviel er immer kann, zu sich bringt, ein anderer bleibe, wo er kann. Und wollen noch dazu fromme sein, können uns aufs feinste schmecken und den Schalk verbergen, suchen und dichten so behende Fündlein und geschwinde Griffe (wie man jetzt täglich aufs beste erdenkt), als aus den Rechten gezogen, dürfen uns darauf kecklich berufen und trotzen, und wollen solches nicht Schalkheit, sondern Gescheitheit und Vorsichtigkeit genannt haben. Dazu helfen auch Juristen und Rechtsprecher, so das Recht lenken und dehnen, wie es zur Sache helfen will, die Worte zwacken und zu Behelf nehmen, unangesehen Billigkeit und des Nächsten Notdurft. Und Summa, wer in solchen Sachen der geschickteste und gescheiteste ist, dem hilft das Recht am besten, wie sie auch sprechen: vigilantibus jura subveniunt.

Darum ist dies letzte Gebot nicht für die bösen Buben vor der Welt, sondern eben für die Frommsten gestellt, die da wollen gelobt sein, redliche und aufrichtige Leute heißen, als die wider die vorigen Gebote nichts verschulden; wie vornehmlich die Juden sein wollten und noch viel größere Junker, Herren und Fürsten. Denn der andere Gemeinde Haufe gehört noch weit herunter in das siebente Gebot, als die nicht viel darnach fragen, wie sie das Ihre mit Ehren und Recht gewinnen.

Nun begibt sich solches am meisten in den Händeln, so auf Recht gestellt werden, dadurch man vornimmt, dem Nächsten etwas abzugewinnen und abzuschöpfen. Als (dass wir Exempel geben) wenn man hadert und handelt um größeren Erbfall, liegende Güter usw., da fährt man herzu und nimmt zu Hilfe, was einen Schein des Rechten haben will, mutzt und schmückts also hervor, dass das Recht diesem zufallen muss, und behält das Gut mit solchem Titel, dass niemand eine Klage noch Anspruch dazu hat. Weiter: Wenn einer gern ein Schloss, Stadt, Grafschaft oder sonst was Großes hätte und treibt so viel Finanzerei durch Freundschaft und womit er kann, dass es einem andern ab- und ihm zugesprochen wird, dazu mit Briefen und Siegel bestätigt, dass es mit fürstlichem Titel und redlich gewonnen heiße.

Desgleichen auch in Gemeinden Kaufhändeln, wo einer dem andern etwas behendiglich aus der Hand rückt, dass jener muss hintennach sehen, oder ihn übereilt und bedrängt, woran er seinen Vorteil und Genieß ersieht, das jener vielleicht aus Not oder Schuld nicht erhalten noch ohne Schaden losen kann, auf dass ers halb oder mehr gefunden habe; und muss gleichwohl nicht mit Unrecht genommen oder entwendet, sondern redlich gekauft sein. Da heißts: der erste der beste; und: jeglicher sehe auf seine Schanze, ein anderer habe, was er kann. Und wer wollte so klug sein, alles zu erdenken, wie viel man mit solchem hübschen Schein kann zu sich bringen, das die Welt für kein Unrecht hält und nicht sehen will, dass damit der Nächste zurückgebracht wird und lassen muss, was er nicht ohne Schaden entbehren kann; so doch niemand ist, der ihm solches wollte getan haben, daran wohl zu spüren ist, dass solcher Behelf und Schein falsch ist.

Also ists nun vorzeiten auch mit den Weibern zugegangen. Da kannten sie solche Fündlein, wenn einem eine andere gefiel, dass er durch sich oder andere (wie denn mancherlei Mittel und Wege zu erdenken waren) zurichtete, dass der Mann einen Unwillen auf sie warf oder sie sich gegen ihn sperrte und so stellte, dass er sie musste von sich tun und diesem lassen. Solches hat ohne Zweifel stark regiert im Gesetz; wie man auch im Evangelio liest von dem König Herodes, dass er seines eigenen Bruders Weib noch bei seinem Leben freite, welcher doch ein ehrbarer, frommer Mann sein wollte, wie ihm auch S. Marcus Zeugnis gibt. Aber solches Exempel, hoffe ich, soll bei uns nicht statthaben, weil im Neuen Testament den Ehelichen verboten ist, sich voneinander zu scheiden, es wäre denn in solchem Fall, dass einer dem andern eine reiche Braut mit Behendigkeit entrückte. Das ist aber bei uns nicht seltsam, dass einer dem andern seinen Knecht oder Dienstmagd abspannt und entfremdet oder sonst mit guten Worten abzieht.

Es geschehe nun solches alles, wie es wolle, so sollen wir wissen, dass Gott nicht haben will, dass du dem Nächsten etwas, das ihm gehört, also entziehst, dass er entbehre und du deinen Geiz füllst, ob du es gleich mit Ehren vor der Welt behalten kannst. Denn es ist eine heimliche, meuchlinge Schalkheit und, wie man spricht, unter dem Hütlein gespielt, dass mans nicht merken soll. Denn ob du gleich hingehst, als habest du niemand unrecht getan, so bist du doch deinem Nächsten zu nahe; und heißts nicht gestohlen noch betrogen, so heißt es dennoch des Nächsten Gut begehrt, das ist darnach gestanden und ihm abwendig gemacht ohne seinen Willen, und nicht wollen gönnen, das ihm Gott beschert hat. Und ob dirs der Richter und jedermann lassen muss, so wird dirs doch Gott nicht lassen, denn er sieht das Schalkherz und der Welt Tücke wohl, welche, wo man ihr einen Finger breit einräumt, nimmt sie eine Elle lang dazu, dass auch öffentliches Unrecht und Gewalt folgt.

Also lassen wir diese Gebote bleiben in dem Gemeinden Verstand, dass erstlich geboten sei, dass man des Nächsten Schaden nicht begehre, auch nicht dazu helfe noch Ursache gebe, sondern ihm gönne und lasse, was er hat, dazu fördere und erhalte, was ihm zu Nutz und Dienst geschehen mag, wie wir wollten uns getan haben; also dass es sonderlich wider die Abgunst und den leidigen Geiz gestellt sei, auf dass Gott die Ursache und Wurzel aus dem Wege räume, daher alles entspringt, dadurch man dem Nächsten Schaden tut. Darum ers auch deutlich mit den Worten setzt: du sollst nicht begehren usw. Denn er will vornehmlich das Herz rein haben, wiewohl wirs, so lange wir hier leben, nicht dahin bringen können, also dass dies wohl ein Gebot bleibt, wie die andern alle, das uns ohne Unterlass beschuldigt und anzeigt, wie fromm wir vor Gott sind.

So haben wir nun die zehn Gebote, einen Ausbund göttlicher Lehre, was wir tun sollen, dass unser ganzes Leben Gott gefalle, und den rechten Born und Rohr, aus und in welchem quellen und gehen müssen alles, was gute Werke sein sollen; also dass außer den zehn Geboten kein Werk noch Wesen gut und Gott gefällig sein kann, es sei so groß und köstlich vor der Welt, wie es wolle. Lass nun sehen, was unsere großen Heiligen rühmen können von ihren geistlichen Orden und großen, schweren Werken, die sie erdacht und aufgeworfen haben und diese fahren lassen, gerade als wären diese viel zu gering oder allbereit längst ausgerichtet. Ich meine je, man sollte hier alle Hände voll zu schaffen haben, dass man diese hielt, Sanftmut, Geduld und Liebe gegen Feinde, Keuschheit, Wohltat usw. und was solche Stücke mit sich bringen. Aber solche Werke gelten und scheinen nicht vor der Welt Augen, denn sie sind nicht seltsam und aufgeblasen, an sonderliche eigene Zeit, Stätte, Weise und Gebärde geheftet sondern Gemeinde, tägliche Hauswerke, so ein Nachbar gegen den andern treiben kann, darum haben sie kein Ansehen. jene aber sperren Augen und Ohren auf, dazu helfen sie selbst mit großem Gepränge, Kosten und herrlichem Gebäu und schmücken sie hervor, dass alles gleißen und leuchten muss. Da räuchert man, da singt und klingt man, da zündet man Kerzen und Lichte an, dass man vor diesen keine andere hören noch sehen könne. Denn dass da ein Pfaff in einer goldenen Kasel steht oder ein Laie den ganzen Tag in der Kirche auf den Knien liegt, das heißt ein köstliches Werk, das niemand genug loben kann. Aber dass ein armes Maidlein eines jungen Kindes wartet und treulich tut, was ihr befohlen ist, das muss nichts heißen. Was sollen sonst Mönche und Nonnen in ihren Klöstern suchen?

Siehe aber, ist es nicht eine verfluchte Vermessenheit der verzweifelten Heiligen, so da sich unterstehen, ein höheres und besseres Leben und Stände zu finden denn die zehn Gebote lehren; geben vor, wie gesagt, es sei ein schlichtes Leben für den Gemeinden Mann, ihres aber sei für die Heiligen und Vollkommenen, und sehen nicht, die elenden, blinden Leute, dass kein Mensch so weit bringen kann, dass er eines von den zehn Geboten halte, wie es zu halten ist, sondern noch beide, der Glaube und das Vaterunser, zu Hilfe kommen muss (wie wir hören werden), dadurch man solches suche und bitte und ohne Unterlass empfange. Darum ist ihr Rühmen gerade so viel, als wenn ich rühmte und sagte: Ich habe zwar nicht einen Groschen zu bezahlen, aber zehn Gulden traue ich wohl zu bezahlen.

Das rede und treibe ich darum, dass man des leidigen Missbrauchs, der so tief eingewurzelt hat und noch jedermann anhängt, loswerde und sich gewöhne, in allen Ständen auf Erden allein hierher zu sehen und sich damit zu bekümmern. Denn man wird noch lange keine Lehre noch Stände aufbringen, die den zehn Geboten gleich sind, weil sie so hoch sind, dass sie niemand durch Menschenkraft erlangen kann, und wer sie erlangt, ist ein himmlischer, englischer Mensch, weit über alle Heiligkeit der Welt. Nimm sie nur vor und versuche dich wohl, lege alle Kraft und Macht daran; so wirst du wohl so viel zu schaffen gewinnen, dass du keine anderen Werke oder Heiligkeit suchen noch achten wirst.

Das sei genug von dem ersten Teil, - beide, zu lehren und vermahnen; doch müssen wir zu beschließen wiederholen den Text, welchen wir auch droben im ersten Gebot gehandelt haben, auf dass man lerne, was Gott darauf will gewendet haben, dass man die zehn Gebote wohl lerne treiben und üben.

"Ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl in tausend Glied."

Dieser Zusatz, wiewohl er (wie oben gehört) zuvörderst zum ersten Gebot angehängt ist, so ist er doch um aller Gebote willen gesetzt, als die sich sämtlich hierher ziehen und darauf gerichtet sein sollen. Darum habe ich gesagt, man solle solches auch der Jugend vorhalten und einbläuen, dass sie es lerne und behalte, auf dass man sehe, was uns dringen und zwingen soll, solche zehn Gebote zu halten, und soll es nicht anders ansehen, denn als sei dies Stück zu einem jeglichen sonderlich gesetzt, also dass es in und durch sie alle gehe.

Nun ist (wie zuvor gesagt) in diesen Worten zusammengefasst beide, ein zorniges Drohwort und freundliche Verheißung, uns zu schrecken und warnen, dazu zu locken und reizen, auf dass man sein Wort als einen göttlichen Ernst annehme und groß achte, weil er selbst ausdrückt, wie groß ihm daran gelegen sei und wie hart er darüber halten wolle, nämlich dass er gräulich und schrecklich strafen will alle, die seine Gebote verachten und übertreten und wiederum wie reichlich ers belohnen will, wohl tun und alles Gute geben denen, die sie groß achten und gern darnach tun und leben. Damit will er gefordert haben, dass sie alle aus solchem Herzen gehen, das allein Gott fürchtet und vor Augen hat, und aus solcher Furcht alles lässt, was wider seinen Willen ist, auf dass es ihn nicht erzürne; und dagegen auch ihm allein vertraut und ihm zu Liebe tut, was er haben will, weil er sich so freundlich als ein Vater hören lässt und uns alle Gnade und Gutes anbietet.

Das ist auch eben die Meinung und rechte Auslegung des ersten und vornehmsten Gebotes, daraus alle anderen quellen und gehen sollen; also dass dies Wort "du sollst nicht andere Götter haben" nichts anderes aufs einfältigste will gesagt haben, denn soviel hier gefordert: Du sollst mich als deinen einigen rechten Gott fürchten, lieben und mir vertrauen. Denn wo ein solches Herz gegen Gott ist, das hat dieses und alle andere erfüllt; wiederum wer etwas andres im Himmel und auf Erden fürchtet und liebt, der wird weder dieses noch keines halten. Also hat die ganze Schrift überall dies Gebot gepredigt und getrieben, alles auf die zwei Stücke, Gottesfurcht und Vertrauen, gerichtet, und vornehmlich der Prophet David im Psalter durch und durch, als da er spricht: der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und auf seine Güte warten, als wäre das ganze Gebot mit einem Vers ausgestrichen und ebensoviel gesagt: der HERR hat Gefallen an denen, die keine andere Götter haben.

Also soll nun das erste Gebot leuchten und seinen Glanz geben in die andern alle. Darum musst du auch dies Stück lassen gehen durch alle Gebote, als die Schale oder Bügel im Kranz das Ende und Anfang zu Haufe füge und alle zusammen halte, auf dass mans immer wiederhole und nicht vergesse, als nämlich im andern Gebot, dass man Gott fürchte und seines Namens nicht Missbrauche zu Fluchen, Lügen, Trügen und anderer Verführung oder Büberei, sondern recht und wohl brauche mit Anrufen, Beten, Loben und Danken, aus Liebe und Vertrauen, nach dem ersten Gebot geschöpft; desgleichen soll solche Furcht, Liebe und Vertrauen treiben und zwingen, dass man sein Wort nicht verachte, sondern lerne, gern höre, heilig halte und ehre.

Darnach weiter durch die folgenden Gebote gegen den Nächsten auch also; alles aus Kraft des ersten Gebotes, dass man Vater und Mutter, Herren und alle Obrigkeit ehre, untertan und gehorsam sei, nicht um ihretwillen, sondern um Gottes willen, denn du darfst weder Vater noch Mutter ansehen noch fürchten noch ihnen zu lieb tun oder lassen. Siehe aber zu, was Gott von dir haben will und gar getrost fordern wird; lässt du es, so hast du einen zornigen Richter, oder wiederum einen gnädigen Vater. Item dass du deinem Nächsten kein Leid, Schaden noch Gewalt tust noch einerlei Weise zu nahe seiest, es treffe seinen Leib, Gemahl, Gut, Ehre oder Recht an, wie es nacheinander geboten ist, ob du gleich Raum und Ursache dazu hättest und dich kein Mensch darum strafte, sondern jedermann wohl tust, helfest und förderst, wie und wo du kannst, allein Gott zu Liebe und Gefallen, in dem Vertrauen, dass er dir alles reichlich will erstatten. Also siehst du, wie das erste Gebot das Haupt und Quellborn ist, so durch die andern alle geht, und wiederum alle sich zurückziehen und hangen in diesem, dass Ende und Anfang alles ineinander geknüpft und gebunden ist.

Solches (sage ich nun) ist nütz und not dem jungen Volk immer vorzuhalten, vermahnen und erinnern, auf dass sie nicht allein, wie das Vieh, mit Schlägen und Zwang, sondern in Gottes Furcht und Ehre aufgezogen werden. Denn wo man solches bedenkt und zu Herzen nimmt, dass es nicht Menschentand, sondern der hohen Majestät Gebote sind, der mit solchem Ernst darüber hält, zürnt und straft, die sie verachten, und wiederum so überschwenglich vergilt denen, die sie halten, daselbst wird man sich selbst reizen und treiben, gern Gottes Willen zu tun.

Darum ist nicht umsonst im Alten Testamente geboten, dass man soll die zehn Gebote schreiben an alle Wände und Ecken, ja an die Kleider, nicht dass mans allein lasse da geschrieben stehen und Schau trage, wie die Juden taten, sondern dass mans ohne Unterlass vor Augen und in stetem Gedächtnis habe, in alle unserm Tun und Wesen treibe und ein jeglicher es lasse seine tägliche Übung sein in allerlei Fällen, Geschäften und Händeln, als stünde es an allen Orten geschrieben, wo er hinsieht ja wo er geht oder steht; so würde man beides, für sich daheim in seinem Haus und gegen Nachbarn, Ursache genug finden, die zehn Gebote zu treiben, dass niemand weit darnach laufen dürfte.

Aus dem sieht man abermals wie hoch diese zehn Gebote zu heben und preisen sind über alle Stände, Gebote und Werke, so man sonst lehrt und treibt. Denn hier können wir trotzen und sagen: Lass auftreten alle Weisen und Heiligen, ob sie könnten ein Werk hervorbringen als diese Gebote, so Gott mit solchem Ernst fordert und befiehlt bei seinem höchsten Zorn und Strafe, dazu so herrliche Verheißung dazu setzt, dass er uns mit allen Gütern und Segen überschütten will. Darum soll man sie je vor allen andern lehren, teuer und wert halten als den höchsten Schatz, von Gott gegeben.