Glaubens-ABC

Pfingstbewegung

Geistliche Aufbrüche und außergewöhnliche Geisterfahrungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Christenheit. Manches ist in der Kirche unterdrückt oder an den Rand gedrängt worden, manches konnte integriert werden - zum Beispiel Orden und Kommunitäten.

Die so genannte Pfingstbewegung ist im Kern eine ausgesprochen dynamische Frömmigkeitsbewegung. Sie hat ihre Wurzeln in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der amerikanischen Heiligungsbewegung. Charakteristisch ist für die Pfingstkirchen die Lehre von der Geistestaufe und den Geistesgaben. Die Geistestaufe (Markus l,8;Jo-hannes l,33; Apostelgeschichte l,5;Jo-hannes 3,5) wird beschrieben als eine "mächtige Kraft Gottes, die, nachdem der Mensch gerettet worden ist, in ihn eindringt und sich nach außen sichtbar macht durch das biblische Zeichen der Zungenrede". Die Geistesgaben (Römer 12; 1. Korinther 12-14) sind nach Auffassung der Gläubigen Kennzeichen eines "geisterfüllten Christen". Gaben wie Zungenrede, Prophetie und Heilung werden in besonderer Weise betont und mitunter auch methodisch eingeübt. Charakteristisch ist für die Pfingstbewegung auch, dass in ihr der individuelle Heilsweg in Stufen eingeteilt wird. So ist oft von einem dreistufigen Heilsweg - Bekehrung und Wiedergeburt, Heiligung als Reinigung der Herzen, Taufe mit dem Heiligen Geist - die Rede.

Die Pfingstbewegung breitete sich vor allem in den Ländern der Dritten Welt aus, vor allem in Südamerika. Dort stellen Pfingstler die größte nichtkatholische Gruppe dar. Auch in Afrika fasste diese Bewegung Fuß. Hinzu kommen in Europa England, die nordischen Länder, Rumänien und Russland. Nach Deutschland kam die Bewegung im Jahre 1907. Zwar wachsen die Pfingstgemeinden weltweit, doch ist die Zahl in Deutschland vergleichsweise gering. Die größte Pfingstgemeinschaft, der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), hat nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder, Tendenz zunehmend. Andere Pfingstgruppen zählen zwischen 1.000 und 4.000 Mitglieder. Das Verhältnis der Pfingstkirchen zu den traditionellen Kirchen ist gespannt. Staats- oder volkskirchliche Institutionen werden von den Pfingstlern abgelehnt. Gleichwohl gibt es Bemühungen, mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ins Gespräch zu kommen. Seit 1971 pflegen die Pfingstkirchen den offiziellen Dialog mit der römisch-katholischen Kirche. In Deutschland unterhält der Mülheimer Gemeinschaftsverband von allen pfingstlerischen Gemeinschaften die engsten Beziehungen zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Seit 1971 besteht ein Gaststatus. Der Dachverband BFP hatte hingegen Ende 1984 seinen Gaststatus wieder aufgekündigt, ist jedoch seit 2010 wieder Vollmitglied der ACK.

Aus der Perspektive der traditionellen Kirchen ist auf eine Reihe zentraler Unterschiede hinzuweisen: Pfingstler lehnen in der Regel die Kinder- bzw. Säuglingstaufe als unbiblisch ab. Sie praktizieren die so genannte Glaubenstaufe, die einen Akt der Bekehrung und ein persönliches Bekennen des Glaubens voraussetzt. Die Taufe als solche hat ihrer Auffassung nach keine Heilswirkung. Pfingstgemeinschaften, die aus lutherischer oder methodistischer Tradition stammen, praktizieren hingegen auf Wunsch auch die Säuglingstaufe. Die Betonung der Geistestaufe lässt den Eindruck entstehen, es handele sich um einen die Taufe ergänzenden Akt, was die verfassten Kirchen strikt ablehnen.