„Woche der Brüderlichkeit“ wirbt um Toleranz und Mitmenschlichkeit

EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider, warnt vor christlicher Judenmission

03. März 2013

Buber-Rosenzweig-Medaille

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat vor der „Woche der Brüderlichkeit“ vor jeglicher christlicher Judenmission gewarnt. „Von uns gibt es ein entschiedenes Nein zur Judenmission“, sagte Schneider in Bonn. Das Christusbekenntnis müsse noch viel mehr von Demut bestimmt sein. Dass die Kirchen über Jahrhunderte im Namen des Evangeliums Juden vom jüdischen Glauben abzubringen und zu Mitgliedern christlicher Gemeinden zu machen versuchten, bezeichnete der Ratsvorsitzende als „Zeichen kirchlicher Anmaßung, ja des Hochmuts“.

Der christlich-jüdische Dialog müsse ein innerbiblischer Dialog sein, sagte Schneider. Dabei gelte es, durchaus vorhandene Gegensätze nicht zu schmälern, sondern auszuhalten. Wichtiger seien die Gemeinsamkeiten, nämlich die Theologie, dass Gott den Menschen erwählt habe und dass auch der gläubige Mensch immer nur unterwegs zu seinem Messias sei. Der Theologe äußerte sich bei einem Empfang der Bonner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Die bundesweite Woche der Brüderlichkeit wird am 3. März in Kassel eröffnet. Sie steht 2013 unter dem Motto „Sachor (Gedenke): Der Zukunft ein Gedächtnis“. Die Initiativ-Woche wird seit 1952 in Deutschland von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im März eines jeden Jahres veranstaltet. Auf der Eröffnungsveranstaltung wird auch die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen, die im vergangenen Jahr Nikolaus Schneider für sein nachhaltiges Wirken für eine Umkehr und Neugestaltung in den christlich-jüdischen Beziehungen erhielt.

Die undotierte Auszeichnung geht 2013 an das Fritz Bauer Institut in Frankfurt sowie die Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler. Das Institut habe als Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung der Vernichtung der Juden konstruktive Anregungen zur Entwicklung eines kritischen Geschichtsbewusstseins in die Gesellschaft getragen, hieß es in der Begründung. Das der Universität Frankfurt angegliederte Institut ist benannt nach Fritz Bauer (1903-1968), der als hessischer Generalstaatsanwalt den Frankfurter Auschwitz-Prozess angestoßen hat.

Die Schriftstellerin Mirjam Pressler wird für ihr herausragendes literarisches und übersetzerisches Werk geehrt. Mit ihren Romanen und Erzählungen habe Pressler es vermocht, jüdisches Leben in der Zeit des Nationalsozialismus und danach den nachwachsenden Generationen nahe zu bringen. Ihre schonungslose und mutige Darstellung „beschädigter Kindheiten“ sei Plädoyer für eine offene und tolerante Gesellschaft.

Bei Veranstaltungen wollen die Initiatoren deutschlandweit um Toleranz, Mitmenschlichkeit und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus werben. Seit 1968 wird zum Auftakt die Buber-Rosenzweig-Medaille für Verdienste um den christlich-jüdischen Dialog verliehen. Die Auszeichnung erinnert an die jüdischen Philosophen und Pädagogen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). (epd)