Statement beim Pressegespräch anlässlich der Eröffnung der Woche für das Leben 2006 in Stuttgart

Bischof Dr. Wolfgang Huber Vorsitzender des Rates der EKD

29. April 2006

Bischof Fürst hat soeben die grundsätzlichen Überlegungen skizziert, die uns veranlasst haben, die diesjährige Woche für das Leben unter die Überschrift „Von Anfang an uns anvertraut. Menschsein beginnt vor der Geburt“ zu stellen. Während wir uns im vergangenen Jahr in der Woche für das Leben auf den Schutz des Lebens der bereits geborenen Kinder konzentriert haben und im nächsten Jahr die Frage nach dem Ja zu Kindern, der Entscheidung für sie noch vor Beginn der Schwangerschaft in den Blick nehmen werden, geht es in diesem Jahr um den Schutz des ungeborenen Lebens.

Für die meisten Frauen und Männer ist die ihr Leben verändernde Nachricht einer Schwangerschaft eine gute und eine frohe Nachricht. Die meisten Mütter erleben die Zeit der Schwangerschaft als eine Zeit der „guten Hoffnung“ und freuen sich von ganzem Herzen auf ihr Kind. Diese Freude über ein empfangenes Leben sollten wir teilen und unterstützen, wo wir nur können. Aber wir dürfen auch nicht den Blick davor verschließen, dass es selbst bei optimalen gesetzlichen und mentalen Rahmenbedingungen immer wieder Konfliktsituationen in der Schwangerschaft geben wird. Diese können verschiedene Ursachen haben und sind von außen nur schwer zu beurteilen. Eine Mutter, die ihre Schwangerschaft als Konflikt erlebt, hat ein Anrecht darauf, in diesem Konflikt ernst genommen zu werden. Dabei halten wir unmissverständlich daran fest, dass wir das werdende Leben nur mit den Frauen und nicht gegen sie schützen können.

Im Mittelpunkt dieser Woche für das Leben stehen Konfliktsituationen des Alltags, Konfliktsituationen, zu deren Lösung wir alle beitragen können. Gerade aus unseren Beratungsstellen hören wir immer wieder, wie Schwangerschaftskonflikte erst dadurch überhaupt entstehen, dass Schwangere von den Kindsvätern, die sich vor der Verantwortung für ein Kind scheuen, von Eltern, die noch keine Lust verspüren, Großeltern zu werden, oder von anderen Menschen aus ihrer unmittelbaren Umgebung zum Abbruch einer Schwangerschaft gedrängt werden. Das ist ein Druck, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Dass sich die gesellschaftliche Mentalität in solchen Fragen ändert, ist in meinen Augen das wichtigste Ziel der vielen Bemühungen unserer Kirchen, zu denen die Woche für das Leben ihren besonderen Beitrag leisten soll.

Sie finden in dem Ihnen vorliegenden Materialheft wieder eine Fülle von Beiträgen, die zahlreiche Aspekte des Themas ausleuchten. Wir hoffen darauf, dass auch in diesem Jahr landauf, landab in vielen Veranstaltungen über diese Thematik gesprochen wird. Jeder Schritt, der zu einer Kultur des Lebens beiträgt und dazu hilft, Schwangerschaftskonflikte zu vermeiden oder so zu lösen, dass es nicht zu Schwangerschaftsabbrüchen kommen muss, ist hoch willkommen.

Hannover / Berlin, 29. April 2006

Pressestelle der EKD
Christof Vetter

Begrüßung von Bischof Wolfgang Huber im Eröffnungsgottesdienst

Predigt von Karl Kardinal Lehmann im Eröffnungsgottesdienst