Liturgische Eröffnung des Gottesdienstes zum zentralen Auftakt der bundesweiten Interkulturellen Woche 2010 in der Erlöserkirche, Essen

Nikolaus Schneider

24. September 2010

„Wir feiern diesen Gottesdienst zur Eröffnung der Interkulturellen Woche 2010 im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Die Interkulturelle Woche ist über die Jahre eine gute und wichtige Einrichtung geworden. Sie ist ein sichtbares öffentliches Zeichen in der Gesellschaft gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus. Die öffentliche Diskussion der letzten Wochen hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig die zahlreichen Veranstaltungen für das friedliche Zusammenleben in unserem Land sind.

Integration ist für die Kirchen ein wichtiges Thema. Sie war es lange vor der aktuellen Diskussion und sie bleibt es auch, wenn sich die Aufregung wieder gelegt hat. In den vergangenen 35 Jahren können wir auf viele gute Beispiele gelungener Integration zurückblicken. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Denn vieles ist noch zu tun. Auch ist Integration eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Man kann nicht immer nur weitere Integrationsanstrengungen für die hier lebenden Migrantinnen und Migranten fordern ohne zu überlegen, was die aufnehmende Gesellschaft selbst tun soll. Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der alle ergreift, die hier leben. Wir alle verändern uns und zusammen gewinnen wir an kultureller Vielfalt. Aber dafür müssen auch entsprechende Möglichkeiten zur Teilhabe und Mitgestaltung aller Menschen bereitgestellt werden.

Unerlässlich für gelingende Integration ist auch Rechtssicherheit.

Ein wichtiges Anliegen, das wir mit der Interkulturellen Woche verbinden, ist deshalb die rechtliche Situation für langjährig Geduldete. Es ist unerträglich, wenn Menschen aufgrund von Kettenduldungen alle drei Monate wieder neu vor der Existenzfrage stehen. Vor allem die gut integrierten Menschen und natürlich die hier aufgewachsenen Kinder und Jugendlichen brauchen eine dauerhafte Perspektive. Dabei müssen auch humanitäre Aspekte berücksichtigt werden. So zum Beispiel wenn Alte, Kranke oder Traumatisierte die strengen Bedingungen, wie sie die Politik bisher fordert, für einen dauerhaften Aufenthalt nicht erfüllen können.

Wir feiern die diesjährige Eröffnung der Interkulturellen Woche hier in Essen, im Zentrum der Kulturhauptstadt Ruhr.2010, einer Region, die in besonderer Weise geprägt ist von der Vielfalt der Religionen und Kulturen.

Dieses Kreuz hier begleitet uns durch das ganze Jahr hindurch, jede Woche in einer anderen Kirche, in einer anderen Stadt, die beteiligt ist an der Kulturhauptstadt.
Das Kulturhauptstadtkreuz  hat die Form eines Labyrinthes. In das Labyrinth führen der Weg hinein und der Weg hinaus. Der Weg lädt uns ein, die Mitte zu suchen. Er ermuntert uns zum Richtungswechsel und zur Einnahme neuer Perspektiven. In der Mitte dann die Begegnung mit dem Kreuz, dem Ort der Gottesbegegnung. Botschaft der Liebe, der Verheißung von Zukunft über den Tod hinaus.

Von diesem Kreuz, das in die Mitte des Lebens führt, wollen wir uns als Christinnen und Christen einladen lassen, als neue Menschen zu leben und uns immer wieder neu auf den Weg zu machen.

Auch in der Interkulturellen Woche sind wir eingeladen zu solchem Richtungswechsel, der immer wieder neu die Vielfalt der Menschen in den Blick nimmt und die Flüchtlinge nicht aus dem Blick lässt.“

Es gilt das gesprochene Wort!