Zur Situation von Frauen in Afghanistan anläßlich des Internationalen Frauentages am 8. März 1998

Bischof Dr. h.c. Rolf Koppe

06. März 1998

Die Europäische Union hat im Jahr des 50. Geburtstages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen den Internationalen Frauentag am 8. März 1998 den Frauen in Afghanistan gewidmet. Die Situation der Frauen in Afghanistan beschäftigt auch uns in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Menschenrechte sind unteilbar. Die Menschenrechte der Frauen, das Recht auf gleiche Bildung, auf gleichen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und auf volle und gleichberechtigte Teilnahme am politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben, sind ein unveräußerlicher und unabtrennbarer Bestandteil der allgemeinen Menschenrechte. Sie werden in Afghanistan vielfach verletzt. Frauen und Mädchen ist der Schulbesuch verwehrt. Sie dürfen nur in Begleitung ihrer nächsten männlichen Verwandten und streng verschleiert auf die Straße gehen. Nur in Ausnahmefällen werden sie in Krankenhäusern als Patientinnen aufgenommen.

Die ökumenische Dekade "Kirche in Solidarität mit den Frauen", zu der in den Gliedkirchen der EKD intensiv gearbeitet worden ist, geht in diesem Jahr zu Ende. Zu ihren Zielen gehört unter anderem, Frauen zu befähigen, unterdrückende Strukturen in der Gesellschaft weltweit in Frage zu stellen und die Kirchen darin zu bestärken, in Solidarität mit den Frauen zu handeln. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hat auf ihrer letzten Tagung in Wetzlar im November vergangenen Jahres einen Beschluß zu "Frauen in Afghanistan" gefaßt. Sie bekundet darin ihre Solidarität mit den afghanischen Frauen und bittet den Rat der EKD, in seinen Gesprächen mit der Bundesregierung, mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament darauf hinzuwirken, alle Bemühungen fortzusetzen, die Lage der Frauen in Afghanistan zum Thema politischer Initiativen zu machen.

Das Thema ist auch vom Europäischen Parlament aufgegriffen worden. Das nimmt auch uns in die Pflicht. Emma Bonino, die EU-Kommissarin für humanitäre Angelegenheiten, hat zum Internationalen Frauentag am 8. März die Kampagne "Eine Blume für die Frauen aus Kabul" initiiert. Diese hat international bereits viel Resonanz gefunden. Wir hoffen deshalb, daß es gelingt, durch internationalen Druck die in Afghanistan herrschenden Parteien und insbesondere den Taliban dazu zu bewegen, den Menschenrechten der Frauen in ihrem Land wieder Geltung zu verschaffen. In mehreren Gliedkirchen der EKD werden sich die Frauenreferate an der Kampagne beteiligen. Die Frauen in Afghanistan sollen wissen, daß sie nicht vergessen sind.

Hannover, den 6. März 1998
Pressestelle der EKD