Der Evangelische Militärbischof - Seelsorge in der Bundeswehr

Foto: Militärseelsorge/Walter Linkmann

Im Jahr 2014 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die evangelische Seelsorge an Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr erstmals einem hauptamtlichen Militärbischof übertragen. Bis dahin hatte die Aufgabe ein Leitender Geistlicher einer evangelischen Landeskirche der EKD nebenamtlich inne. Die Militärseelsorge als Teil der kirchlichen Arbeit wird im Auftrag und unter Aufsicht der Kirche ausgeübt. Der Staat sorgt für den organisatorischen Aufbau der Militärseelsorge und trägt ihre Kosten. Mit einem Sonderhaushalt der EKD werden weitergehende Aufgaben finanziert. Staatliches und kirchliches Zusammenwirken hat sich so schon seit Bestehen des Militärseelsorgevertrages bewährt. Dieser wurde 1957 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der EKD "zur Regelung der evangelischen Militärseelsorge" geschlossen. Der Bischof steht in keinem Dienstverhältnis zum Staat oder der Bundeswehr.

Bischof Dr. Sigurd Immanuel Rink nimmt seine Gesamtverantwortung für die evangelische Militärseelsorge durch Leitung, Visitation und Wortverkündigung wahr. Zwei an der Seelsorge beteiligte Einrichtungen unterstützen den Militärbischof: das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr (EKA) und der Handlungsbereich Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (HESB), beide finden sich im selben Haus am Amtssitz in Berlin - direkt am Bahnhof Zoo.

Aufgaben

Zu den bischöflichen Aufgaben gehören die Visitation der personalen Seelsorgebereiche, die Einführungen von Pfarrerinnen und Pfarrern in ihr kirchliches Amt in der Militärseelsorge, Standortbesuche und die Begleitung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr sowie der Kontakt ins Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und zu den Führungsstäben der Bundeswehr. Der Predigtdienst erfolgt zu zahlreichen kirchlichen und gesellschaftlichen Anlässen, auch mit medialer Unterstützung. Der Militärbischof vertritt die Militärseelsorge gegenüber der Öffentlichkeit, verantwortet das Schrifttum und formuliert seine Position zu friedensethischen und sicherheitspolitischen Fragen. Die Seelsorge schließt die Familien der Soldatinnen und Soldaten ein.

Organisation

  1. Handlungsbereich Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (HESB)

    Die EKD hat einen eigenen Handlungsbereich 12 "Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr". 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen hier für die Finanzierung von Aus- und Fortbildung, Tagungen und Fachseminaren sowie den Unterhalt der Pfarrhäuser und Tagungsstätten. Die EKD stellt die Mitarbeiter/innen für den Einsatz der Informationstechnologie (IT) im Bereich Berlin. Zudem erfolgt im HESB die Mitfinanzierung von Rüstzeiten und Projekten, beispielsweise das Projekt "Seelsorge für vom Einsatz betroffene Menschen", das dem Referat II im EKA zugeordnet ist.

  2. Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr (EKA)

    Das EKA in Berlin ist als Bundesoberbehörde mit zentralen Verwaltungsaufgaben der Evangelischen Militärseelsorge betraut und wird von Militärgeneraldekan Matthias Heimer geleitet, der ordinierter Theologe ist. Der Militärgeneraldekan untersteht dem Militärbischof, Soweit er die mit der Militärseelsorge zusammenhängenden staatlichen Verwaltungsaufgaben wahrnimmt, untersteht er der Bundesministerin/dem Bundesminister der Verteidigung. Das EKA mit 39 Mitarbeitenden gliedert sich in drei Referate:

    1. Personal / Organisation / Auslandsdienststellen / Seelsorgerliche Einsatzbegleitung / Aus- und Fortbildung / Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
    2. Seelsorge / Theologischer Grundsatz, Pastorale Dienste, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Internet-/Intranet-Redaktion sowie das Projekt "Seelsorge für vom Einsatz betroffene Menschen"
    3. Haushalt / Nebengebührnisse, Verwaltung / Innerer Dienst / IT-Angelegenheiten

    Bei ihrer Leitungsverantwortung bedienen sich Militärbischof und Militärgeneraldekan der Referate und Einrichtungen des EKA sowie der Evangelischen Militärdekanate als Dienstaufsicht führende Mittelinstanzen. Diese sorgen mit dafür, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer bei den Evangelischen Militärpfarrämtern die ihnen übertragenen Aufgaben erfüllen können.

  3. Evangelische Militärdekanate

    Vier Evangelische Militärdekanate bilden die Mittelebene der Evangelischen Militärseelsorge. Hier wird die Verantwortung für die Seelsorge in den Dekanatsbereichen Nord, West, Süd und Ost sowie die Dienstaufsicht über die Militärgeistlichen wahrgenommen. Die Leitenden Militärdekane stellen den Kontakt der Militärseelsorge zu den evangelischen Landeskirchen in ihrem Dekanatsgebiet her.

    Die Dienststellen der Deutschen Evangelischen Militärpfarrer in den USA und bei dem Supreme Headquaters Allied Powers Europe (SHAPE) in Belgien werden unmittelbar vom EKA geführt.

    Zuständigkeitsbereiche:

    • Evangelisches Militärdekanat Berlin
      Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern (ohne Marine), Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
    • Evangelisches Militärdekanat Kiel
      Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Bereich Marine
    • Evangelisches Militärdekanat Köln
      Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland
    • Evangelisches Militärdekanat München
      Baden-Württemberg, Bayern
  4. Evangelische Militärpfarrämter

    An rund 98 Bundeswehr-Standorten in Deutschland gibt es Evangelische Militärpfarrämter, die in der Regel für verschiedene Einheiten und Liegenschaften auf Ortsebene zuständig sind. Geleitet werden die Militärpfarrämter durch Militärpfarrerinnen bzw. Militärpfarrer. Diese betreuen die dortigen Soldatinnen und Soldaten in ihrem Dienst in der Bundeswehr - im soldatischen Alltag im Inland wie auch bei den Auslandseinsätzen. Zudem gibt es deutsche evangelische Militärgeistliche an den Auslandsstandorten in den USA und bei den NATO-Stäben.

    Die Militärgeistlichen führen keinen militärischen Rang und tragen auch keine Uniform. Sie stehen in einem geistlichen Auftrag, in dessen Erfüllung sie von staatlichen Weisungen unabhängig sind. Somit sind sie nicht Teil der militärischen Hierarchie und unterliegen dem Beichtgeheimnis und der damit verbundenen Schweigepflicht. Gleichwohl sind sie den Kommandeuren und Dienstellenleitern der Bundeswehr auf Zusammenarbeit zugeordnet. Zur Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben und gottesdienstlichen Handlungen sowie als Ansprechpartner sind ihnen Pfarrhelferinnen und Pfarrhelfer zur Seite gestellt, eine unverzichtbare Funktion bei Abwesenheit der Geistlichen, zum Beispiel bei Auslandseinsätzen.

Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr

Soldatinnen und Soldaten haben das Recht auf freie, ungestörte Religionsausübung und Seelsorge. Deshalb gibt es seit fast 60 Jahren die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr, die gemeinsam von der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Bundesrepublik Deutschland getragen wird. Der zugrunde liegende Militärseelsorgevertrag trat am 22. Februar 1957 in Kraft. Er regelt die Seelsorge als gemeinsame Aufgabe unter alleiniger inhaltlicher Verantwortung und Aufsicht der Kirche bei gleichzeitiger organisatorischer und finanzieller Verantwortung des Staates.

Doch was bedeutet Seelsorge für die Menschen in der Bundeswehr heute und ganz konkret?

Die Rolle der Soldatinnen und Soldaten in unserer Gesellschaft hat sich verändert. Auf der einen Seite sind die Aufgaben und Gefahren gewachsen. Auslandseinsätze sind mittlerweile Alltag. Das Risiko, verwundet oder getötet zu werden, ist für viele real. Der Umbau der Bundeswehr stellt Soldaten vor große Herausforderungen hinsichtlich ihrer Flexibilität und Mobilität.

Kernbereiche

Die Kernbereiche der evangelischen Militärseelsorge sind: Begleiten, Ermutigen, Verkünden und Orientieren.
  • Begleiten: Die Evangelische Militärseelsorge begleitet Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien - im Alltag und in Ausnahmesituationen. Dabei haben die Militärgeistlichen, die selbst keine Soldaten sind, die nötige Distanz, um unabhängig zu sein, und genug Nähe, um zu helfen. Hierbei wird selbstverständlich das Seelsorgegeheimnis gewahrt. Die Evangelische Militärseelsorge kann und will dem einzelnen Soldaten bei der Suche nach Antworten Orientierung bieten.
  • Ermutigen: Zur Ermutigung gehören die Rüstzeiten als ein besonderes Angebot der Evangelischen Militärseelsorge. In einem entspannten Umfeld werden gemeinsame Freizeitgestaltung und Arbeit an gesellschaftlichen Fragen aus christlicher Sicht miteinander verbunden. Hierfür kann den Soldaten Sonderurlaub gewährt werden. Jede Rüstzeit steht unter einem Thema, zu dem Referenten eingeladen und eigene Beiträge erarbeitet werden können. Gottesdienst, Andacht und Bibelarbeit sind ebenfalls unverzichtbare Bestandteile.
  • Verkündigen: Die Botschaft der Bibel ist die Grundlage des Glaubens. Die Bereitstellung von Bibeln zählt deshalb zu den Aufgaben der Evangelischen Militärseelsorge. Jeder, der neu zur Bundeswehr kommt, erhält darüber hinaus das Gesang- und Gebetbuch "Lebensrhythmen" für Soldatinnen und Soldaten. Dieses ermöglicht individuelle Besinnung, aber auch gemeinsames Feiern. An vielen Standorten werden auch Bibelkreise oder andere Formen der Bibelarbeit angeboten. Die Evangelische Militärseelsorge ist mit eigenen Angeboten und Informationsständen auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) vertreten. Soldatinnen und Soldaten können über die Teilnahme an Rüstzeiten Kirchentage besuchen und sich vor Ort einbringen.

    Eines der wichtigsten Angebote der Evangelischen Militärseelsorge sind Gottesdienste. In der Regel gibt es einmal im Monat werktags einen Standortgottesdienst, der meist in einem Andachtsraum der Kaserne oder in einer Kirche oder Kapelle in der Nähe gefeiert wird.

  • Orientieren: Seit 1959 gehört der Lebenskundliche Unterricht zum Alltag der Soldatinnen und Soldaten. Mehr als früher lebt der Unterricht von der engagierten Mitarbeit und der Möglichkeit der freien Aussprache. Thematisch erhalten nun Fragen nach dem Umgang mit fremden Kulturen, mit Schuld und Verantwortung, aber auch mit individuellen Belastungen viel mehr Raum. In Seminarform und Diskussionsrunden haben die Soldatinnen und Soldaten die Möglichkeit sich auszutauschen oder das Gespräch mit dem Militärgeistlichen zu suchen. Dieser ist für den Unterricht verantwortlich, auch wenn es sich nicht um einen Religionsunterricht handelt, sondern um berufsethische Bildung für alle Soldaten, die auf den Werten des Grundgesetzes aufbaut. Die Soldaten können so Kraft schöpfen, um den Herausforderungen des Alltags gewachsen zu sein.

Ziele der Seelsorge

  • Unterstützung und Begleitung der Soldatinnen und Soldaten sowie der zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre eigene religiöse Identität zu leben
  • Orientierung in wichtigen Fragen durch Lebenskundlichen Unterricht und persönliche Gespräche
  • Unterstützung von Familien und Angehörigen im Alltag, während des Einsatzes und im Trauerfall
  • Angebote zur Erwachsenenbildung sowie zur Freizeitgestaltung, oft mit Unterstützung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS).
  • Förderung eines offenen und aktiven Miteinanders unter den Kameraden, mit katholischen Brüdern und Schwestern und mit fremden Kulturen und Glaubensrichtungen