Abraham

Gottes tolle Typen

Engel verhindert den Tod Abrahams Sohn

Da ist Abraham. Was für ein Mann, was für ein Leben! Mit Geschichten wie vom Lagerfeuer.

Abraham, der zu den Erzvätern der Bibel gehört, wird in Ur in Chaldäa am unteren Euphrat geboren. Zieht während der  Unruhen, die den Zerfall des babylonischen Weltreiches begleiten, in die Nähe der heutigen syrisch-türkischen Grenze. Sein Leben ist untrennbar verbunden mit der Aufforderung, aus der Heimat fortzuziehen in ein noch unbekanntes Land, Elternhaus und Freunde zu verlassen.

Er bricht aus Familie und Sippe aus, gibt eine Bindung dran, die für die Menschen der alten Zeit lebenswichtig ist. Er wird damit heimat- und schutzlos. Durchquert das Land und die Wüste und gelangt bis nach Ägypten. Dort gibt er seine Frau, die sehr schön ist, als seine Schwester aus. Er fürchtet, der König werde sie ihm ausspannen und ihn töten, um ihn so aus dem Weg zu räumen. Tatsächlich nimmt der Pharao Sara in sein Haus auf und macht Abraham reichlich Geschenke: Schafe und Rinder, Esel und Kamele, Knechte und Mägde.

Aber dann durchschaut er den Trick und jagt ihn aus dem Land. Abraham besitzt große Viehherden, ist ziemlich wohlhabend. So etwas kann sich schnell ändern, wenn Naturgewalten den Tieren den Nährboden zerstören. Später siedelt Abraham sich bei Hebron an, gelangt zu einiger Macht, beteiligt sich an den Kriegen zwischen den Herrschern der Regionen am Euphrat und am Toten Meer. Obwohl er noch keinen Erben hat ­ Kinderlosigkeit bedeutet im Altertum ein schweres Los ­, erfährt er im Traum, dass Jahrhunderte später alles Land zwischen Ägypten und Euphrat seinen Nachkommen gehören wird. Er hält sich eine Magd als Nebenfrau, was ­ man kann es verstehen ­ zu einigen Spannungen führt. Dann gebären ihm Hagar, die Magd, und in einem Alter, wo dies biologisch eigentlich nicht mehr möglich ist, auch seine Frau Sara einen Sohn. Doch das späte Glück ist trügerisch.

Gott nötigt Abraham, Isaak, den er sehr liebt, zu opfern. Die kaum begreifliche Geschichte ist ein Gleichnis für eine fast übermenschliche Probe und dafür, dass Gott zurückfordern kann, was er schenkt, sogar das Liebste, was ein Mensch besitzt. Aber die unmenschliche Tat wird Abraham im letzten Moment erspart. Ein Engel weist ihn an, statt seines Sohnes einen Widder zu opfern, der sich mit seinen Hörnern in einer Hecke verfangen hat. Schließlich kehrt Abraham nach Hebron zurück, wo Sara stirbt. Die Höhle, in der sie ruht, wird später auch seine Grabstätte.

In den Abrahamserzählungen, im ersten Buch Mose (Kapitel 12-25)  nachzulesen, sind verschiedene literarische Quellen verflochten. Sie sind Zeugnisse über einen Menschen, der in einer Mischung aus Mut, Gottvertrauen und Risikobereitschaft offen für Veränderungen bleibt und eine neue Welt sucht. “Gott, schreibt der Theologe Patrick M. Arnold, “konnte sich dem Vertrauensbeweis, um den der alte Mann ihn bat, nicht entziehen, und gab ihm wirklich seinen Segen. Der Satz “Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein gehört zu den geflügelten Worten der Bibel.

Hans-Albrecht Pflästerer